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Restaurieren: Wie entsteht die körnige Versilberung ?
Als ich das Lange & Söhne Uhrwerk eines Ankerchronometers restaurierte
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>> Restaurieren Ankerchronometer
mußte ich auch diverse Werlteile neu versilbern. Es gibt Literatur und Anleitungen darüber. Aber nur mit Erfahrung und Übung führen diese Anleitungen zum Erfolg.

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Man nehme 6 Teile (keine Gewichtseinheit) jodfreies Kochsalz und 3 Teile (keine Gewichtseinheit) Weinstein. Beides gibt es mehr oder weniger in Pulverform zu kaufen. Diese Teile gibt man in einen Porzellanmörser und stößt es zu einem feinen Gemischpulver. Die Mengen wähle man so, dass dieses Gemisch eine Tasse oder mehr, füllt und gibt es in ein Glas, das man mit einem Deckel verschließen kann.

Man besorge sich reines chlorfreies Silberpulver. Dieses Pulver benötigt man in sehr geringer Menge, wenn man z. B. eine Platine einer Taschenuhr körnt.

Silberpulver einerseits und das Gemisch aus Salz und Weinstein andererseits hebt man getrennt auf.

Das Werkstück Platine wird vorbereitet, gesäubert, fein geschliffen und entfettet. Sind auf der Platte Gravuren, so werden diese zuvor mit Schellack oder ähnlich ausgefüllt. Der Lack muß sich später auflösen lassen, damit die Gravur wieder zum Vorschein kommt. Bleibt die Gravur in Farbe ausgefüllt, z. B. Zifferblatt, dann nehme man Kaltemail (Bastlerladen), das nach dem Versilbern durch leichtes Erwärmen wieder seinen Glanz bekommt.
Auf den gelackten Flächen entsteht keine Versilberung.

Das Entfetten ist wesentlich! Ich entfette galvanisch in einem Entfettungsbad.

Versilbert wird an einem Ort und in einem Ort, wo Salz und Weinstein keinen Schaden anrichten kann, so etwa auf einer alten Holzplatte, in einer Billigwanne aus Kunstoff, einem Stück Korkplatte (Baumarkt) usw.

Was wir noch benötigen ist destilliertes Wasser (Tankstelle) und dünne Gummihandschuhe (Apotheke). Dazu eine kleine Bürste aus Kunststoff (kein Eisen oder Stahlgebinde wegen Rost) deren Borsten steif stehen sollten.

Ich darf noch festhalten, wir versilbern Platinen zu Taschenuhren. Körnt man große Flächen (PPU-Zifferblätter) dann sind die Mengen und das Werkzeug entsprechend groß zu wählen, zu bemessen.

Der eigentliche Vorgang:

Ich nehme aus meinem Gemisch eine Menge etwa eine Mokkatasse füllend und gebe Silberpulver dazu. Achtung wenig! Eine Messerspitze Silber in die Mokkatasse und rühre das ordentlich. Das Silberpulver ist im Aussehen ein tiefes Grau. Hat man es in der Tasse verrührt sieht man es so gut wie überhaupt nicht mehr. Das gesamte Gemisch bleibt annähernd "weiß".

Eine Tasse mit destilliertem Wasser steht in der Wanne, ein wenig Weisteinpulver, nur Weinstein, stehe auch bereit. Die Handschuhe hatten wir bereits angezogen. Vor uns liegt in der Wanne, die zum Arbeiten genügend groß ist !, die Platine. Wir nehmen die Bürste, befeuchten sie mit destilliertem Wasser, tunken sie in das Weinsteinpulver und reiben rund über die Platine, die ein wenig feucht wird. Die Bürste bleibt feucht, die Feuchtigkeit muß spürbar sein.

Neben der Wanne steht das Pulvergemisch in kleiner Menge in einem weiteren Gefäß. Dort tunken wir die feuchte Bürste fest mehrmals ein, denn das Gemisch soll die Bürste richtig vollstopfen und daran kleben. Und damit reiben wir dann rund über die Platine mit festem Druck. Alles ist feucht. Damit es feucht bleibt, da mehrmalig die Bürste in das Gemisch kommt, kann man ein Tröpfchen ! destilliertes Wasser auf die Platine geben. Dem Gemisch ist bei der Arbeit Zeit zu geben für den ablaufenden chemischen Prozeß, der natürlich nur folgt, wenn die Feuchtigkeit wirken kann. Das stellt sich mit dem Fortschritt ein.

Das Rundreiben auf der Platine hinterläßt zunächst keine Spuren, glaubt man, aber es beginnt, - da weinig Silberpulver genommen war, - sich Silber festzusetzen, winzige Partikel, wenn man genau hinschaut. Man kann getrost mit der Bürste Gemisch dazugeben, es muß jedoch alles feucht bleiben, und es muß feste gerieben werden. Der Erfolg stellt sich ein, weil wenig Silberpulver genommen war. Die Versilberung "wächst" langsam über die ganze Platine. Das sieht man und steuert so das Rundreiben, damit es gleichmäßig wird und sich keine Anhäufungen am Rand ergeben, an Bohrungen usw. Es zeigt sich auch eine relativ "weiße" Silberfarbe, Silberfläche. Die Versilberung entsteht in feinem Korn. Rechtzeitig ist aufzuhören, sonst verdichtet sich das Kornmuster und die Arbeit ist zum Wegwerfen.

Je mehr Silberpulver im Gemisch ist umso unsauberer wird das Korn, häuft sich schnell an, und es entsteht fleckenartig. Es zeigt keine "weiße" silbrige Farbe.

Neben der Platine in der Wanne liegen Reste des feuchten Gemisches. Dieses kann man mit der Bürste wieder aufbürsten. Zum Ende der Arbeit reibe ich immer mit der Bürste und Weinsteinpulver feucht über die Platine. In der Wanne sammelt sich mehr und mehr dünnflüssige Masse an, die dunkelgrauer wirkt als die Platine jetzt aussieht. Die Platine ist fertig und wird in destilliertem Wasser gespült. Helle Silberflecken finden sich auch unter der Platine.

Die Versilberung wirkt "weiß - matt". Das wird man wohl für Zifferblätter so belassen. Doch Platinen der TU werden noch vergoldet, denn die Versilberung oxidiert. Man gibt ihr mit einer feinen Neusilberbürste Glanz indem man ganz leicht und richtungslos über die versilberte Fläche bürstet.

Alles weitere ist Erfahrung und Übung!

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